Starnberger Wochenende

Das Starnberger Wochenende soll LehrerInnen, Schulpsycholog*innen, Mitarbeiter*innen aus Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen, Eltern, Erzieher*innen und Schüler*innen zusammenführen und zur Zusammenarbeit anregen. Es wird seit 1988 in 2-jährigen Turnus in Starnberg veranstaltet; seit 1996 unter der Trägerschaft des Vereins für Zusammenarbeit in Erziehung und Bildung e.V.

Diese Initiative ist entstanden aus der langjährigen gemeinsamen Arbeit im Unterausschuss Erziehungsberatung und Schule des Bayerischen Landesjugendhilfeausschusses, der Empfehlungen für die Zusammenarbeit dieser beiden Bereiche erarbeitet hat (sie wurden 1989 veröffentlicht).

Der auf ganz Bayern bezogene Erfahrungsaustausch dieser Tagung Starnberger Wochenende und die dort vorgestellten Projekte sollen Anstoß geben für eine mutigere Zusammenarbeit zwischen Schule und Erziehungsberatung, bzw. zwischen LehrerInnen und Schulberatungsdiensten und Mitarbeiter*innen aus Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen in Bayern sowie zwischen Eltern, Lehrer*innen aller Schularten und Erzieher*innen aus Kindertagesstätten.

Die Tagung beginnt in der Regel an einem Wochenende am Freitagnachmittag um 16 Uhr und endet am Samstagabend oder am Sonntagmittag. Plenumveranstaltungen und Gruppengespräche wechseln einander ab.

Durch gemeinsames Lernen können die Teilnehmer*innen Vorurteile abbauen und neue Perspektiven für den Erziehungsalltag mit SchülerInnen entwickeln. Einer konstruktiven Kritik an ineffektiven Lernstrukturen sollen hoffnungsvolle gemeinsame Anstrengungen folgen, die ein kindbezogenes und ein auf aktuell veränderte gesellschaftliche Situationen eingehendes Lern- und Beratungsangebot ermöglichen.

Die weltweit auf der Hirnforschung basierenden Erkenntnisse und für die Weiterentwicklung unserer demokratischen Gesellschaft notwendigen neuen Formen des Lernens im 21. Jahrhundert erfordern eine Veränderung auch in der Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Lernen und Lehren ist immer eingebunden in einen menschlichen Dialog zwischen Lehrer*innen, Erzieher*innen, SchülerInnen und deren Eltern und – falls eingeschaltet – den Erziehungsberater*innen und Schulpsycholog*innen. Deshalb liegt der Akzent der Anregungen im Beziehungsbereich dieser Gruppen, zumal es hierfür noch kaum gemeinsame Fortbildungen gibt.

Erziehungsberater*innen können kraft der Kompetenz, die aus ihrem Erfahrungsalltag und ihrer therapeutisch-beraterischen Tätigkeit erwächst, Vermittler sein, wo das Gespräch zwischen Lehrer*innen und Eltern nicht in Gang kommt. Wenn Lehrer*innen oder auch Schüler*innen und ihre Eltern Hilfe brauchen, weil sie in ihren Beziehungen und im Lernen blockiert sind, könnten Mitarbeiter*innen aus Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen und der Schulberatung als Partner dazu beitragen, dass sich Blockaden lockern, wenn sie vorwiegend im Familiensystem begründet liegen und in Zusammenarbeit mit Schulpsycholog*innen, wenn die Verhaltens- und Lernprobleme in der Schule begründet sind. In der therapeutischen Arbeit mit dem Schüler und seiner Familie liegt ein Abgrenzungskriterium zwischen Schulberatung und Kinder-, Jugend- und Familienberatung, die ja auch Überschneidungspunkte in ihren Arbeitsbereichen haben. Es wäre wünschenswert, dass es vor Ort zu Absprachen kommen könnte, um Parallelarbeit zu vermeiden.

Zur Unterstützung für eine fruchtbringende Zusammenarbeit im Erziehungs- und Bildungsbereich wurde 1996 der gemeinnützige Verein für Zusammenarbeit in Erziehung und Bildung e.V. gegründet.

Im Institut für Zusammenarbeit im Erziehungs- und Bildungsbereich IFZE, dessen Träger dieser Verein ist, werden Projekte der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrer*innen entwickelt und eine gemeinsame Weiterbildung angeboten. Bei Konflikten im täglichen Arbeitsbereich von Schulen, Kindertagesstätten und in Familien kann der durch Weiterbildung zu erarbeitende Beruf des/der Erziehungsmediators/in für Lehrer*innen, Erzieher*innen und Eltern unterstützend wirken und zur Versöhnung im Streit auch zwischen Schüler*innen beitragen. Wir streben ihn als Assistenzberuf für Schulen an.

Erziehungsmediator*innen können Konfliktarbeit in den Schulen leisten, bei der Elternarbeit im Erziehungs- und Bildungsbereich moderieren, Sozialtraining und Einzelarbeit mit Kindern im Unterricht anbieten, Peermediationskurse und die Betreuung von Streitschlichtern übernehmen und in schwierigen Eltern-Lehrer-Gesprächen assistieren. Sie helfen Kindern und Jugendlichen im Streit zwischen den Eltern oder zwischen LehrerInnen und Eltern, oder auch wenn Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt SchülerInnen beim Lernen behindern.